Einführung in die Medientheorie - Executive Master in Arts Administration (EMAA) - Universität Zürich: Neue Medien & Neue Räume
June 10th, 2010I Neue Räume und neue Zeiten
“Der Samstagsbummel der Zukunft beginnt auf dem Handy. Während wir durch die Fussgängerzone schlendern, tippen wir in unser Mobiltelefon, welches Produkt wir suchen. Eine Jeans zum Beispiel, aber bitte in der richtigen Grösse. Kurz darauf erscheint auf dem Display eine Karte, auf der verschiedene Geschäfte der Umgebung uns ihre Auswahl an passenden Hosen präsentieren, inklusive eines Rabattcodes. Als wir nach dem Einkauf hungrig sind, sehen wir uns erst einmal auf dem Handy an, was unsere Lieblingsrestaurants in der Umgebung auf der Tageskarte haben und wann der nächste Tisch frei wird. Weil unser Smartphone zeigt, dass ein guter Bekannter ebenfalls in der Gegend unterwegs ist, verabreden wir uns später und reservieren per Tastendruck. Die Zeit bis zu unserem Treffen überbrücken wir mit einem Museumsbesuch, nachdem unser Handy angezeigt hat, wie gross der Andrang in den umliegenden Ausstellungen ist.” Johannes Kuhn: “Sie wissen, wo wir sind - Das Geoweb ist eine Revolution des Alltags. Doch wenn uns das Internet überall hin folgen soll, können wir dem Netz auch nichts mehr verschweigen.” Süddeutsche Zeitung Nr. 126 (5./6. Juni 2010).
II Raum, Zeit, Medien
“The Medium is the Message” Herbert Marshall McLuhan: Understanding Media. Cambridge: MIT Press, 1994 [1964], p. 7 [Part I, chap. 1 ]
4 Mediengesetze
a.) Jedes bedeutendere Artefakt verstärkt bestimmte Prozesse.
b.) Jedes bedeutendere Artefakt lässt andere Prozesse veralten.
c.) Jedes bedeutendere Artefakt belebt einen Prozess der schon einmal veraltet war.
d.) Neue und grundsätzliche Formen tauchen immer dann auf, wenn frühere Formen gerade den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichen.
Philip Marchand: “Biografie IV - Gesetze der Medien”. In: Baltes und Höltschl: S. 205.
III Diskurs und Dialog
“Definiert man den Dialog als jenen Prozess, bei dem auf verschiedene Gedächtnisse aufgeteilte Informationen zu einer neuen Informationen synthetisiert werden, und stellt man dann die Frage, welche Medien diesem Kommunikationsprozess dienen, so wird man feststellen, dass diese Frage auf zwei Arten formuliert werden kann: (a) Welche Medien können dem Dialog dienen, und (b) Welche dienen im tatsächlich? Auf (a) erhält man die etwas überraschende Antwort, dass die meisten technoimaginären Medien ursprünglich als dialogische Medien gedacht waren - Radio und TV sind dafür Beispiele. Der diskursive Gebrauch des Radios war seinen Erfindern völlig unvorstellbar, denn sie glaubten, drahtlose Telefone erfunden zu haben, und die Erfinder des Fernsehens glaubten, grenzenlose audiovisuelle Dialoge ermöglicht zu haben. Die gegenwärte diskursive Funktion der technischen Medien, ihre Verwandlung in Massenmedien, ist alos nicht eine Folge ihrer Bauart, sondern eine Entscheidung ihrer Besitzer.” Vilém Flusser “Dialogische Medien”: S. 135.
“Das neue Menschenbild als Verknotung von Beziehungen passt uns nicht in den Kram und daher auch nicht das auf dieser Anthropologie beruhende Stadtbild. Und doch muss dieses Menschenbild hingenommen werden. Es sieht ungefähr so aus: Wir haben uns eine Netz von zwischenmenschlichen Beziehungen vorzustellen, ein ‘intersubjektives Relationsfeld’. Die Fäden dieses Netzes sind als Kanäle zu sehen, durch welche Informationen, Gefühle, Absichten oder Erkenntnisse fliessen. Diese Fäden verknoten sich provisorisch und bilden das, was wir ‘menschliche Subjekte’ nennen. Die Gesamtheit der Fäden macht die konkrete Lebenswelt aus, und die Knoten darin sind abstrakte Extrapolationen. Das erkennt man, wenn man sie entknotet. Sie sind kernlos wie Zwiebeln. Anders gesagt: Das ‘Selbst’ (’Ich’) ist ein abstrakter, gedachter Punkt, um welchen sich konkrete Beziehungen füllen. ‘Ich’ ist das, wozu ‘du’ gesagt wird.” Vilém Flusser: “Die Stadt als Wellental in der Bilderflut”, S. 184:
Literatur
Baltes, Martin und Höltschl, Rainer (Hg.): Absolute McLuhan. Freiburg: orange press, 2002
Barck, Karlheinz (Hg.): Harold A. Innis - Kreuzwege der Kommunikation - Ausgewählte Texte. Wien: Springer, 1997
Dertouzos, Michael: What Will Be - Die Zukunft des Informationszeitalter [ New York 1997]. Wien: Springer, 1999
Flusser, Vilém Heimat und Heimatlosigkeit [Audio CD]. Köln: supposé, 1999
Flusser:, Vilém: Kommunikologie weiter denken - Die „Bochumer Vorlesung”. Frankfurt/M.: Fischer, 2009
Flusser, Vilém: “Diskursive Medien” [Deutsch zuerst in: Kommunikologie. Mannheim: Bollmann, 1995]. In: Röller (Hg.)
Flusser:, Vilém: “Dialogische Medien” [Deutsch zuerst in: Kommunikologie. Mannheim: Bollmann, 1995]. In: Röller (Hg.)
Hiebel, Hans H. u.a. : Die Medien. München: UTB, 1998
Kloock, Doniela und Spahr, Angela: Medientheorien. Eine Einführung. München: UTB, 2000
Kerckhove, Derrick de: “McLuhan and the “Toronto School of Communication”. In: Canadian Journal of Communication (1989): 73-79.Online: http://www.utoronto.ca/mcluhan/article_torontoschoolofcomm.htm
Kuhn, Johannes: “Sie wissen, wo wir sind - Das Geoweb ist eine Revolution des Alltags. Doch wenn uns das Internet überall hin folgen soll, können wir dem Netz auch nichts mehr verschweigen”. Süddeutsche Zeitung Nr. 126 (5./6. Juni 2010).
Marchand, Philip: Marshall McLuhan - Botschafter der Medien. Stuttgart: DVA, 1999
McLuhan, Herbert Marshall: Die magischen Kanäle [Understanding Media 1964]. Düsseldorf 1992: Econ
McLuhan, Herbert Marshall: Understanding Media [1964]. Cambridge: MIT Press, 1994
McLuhan, Herbert Marshall: “On Speaking freely with Edwin Newman”, 4. 1. 1971.
Paul, Joachim: Regeln, die öffentliche Sache, Verantwortung und das Internet. Online: http://www.vordenker.de/internet/internet.htm
Rheinberger, Hans-Jörg: Experimentalsysteme und epistemische Dinge - Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas. Göttingen 2001: Wallstein Verlag.
Rheinberger, Hans-Jörg: “Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen”. Vortrag anlässlich der Verleihung des Cogito-Preises. Zürich, 25.10. 2006.
Röller, Nils: Magnetismus - Eine Geschichte der Orientierung. München: Fink, 2010
Röller, Nils und Wagnermaier, Silvia (Hg.): Absolute Flusser. Freiburg: orange press, 2003/2010






