Einführung in die Medientheorie - Executive Master in Arts Administration (EMAA) - Universität Zürich: Neue Medien & Neue Räume

June 10th, 2010

Prof. Dr. Nils Röller

Vertiefung Mediale Künste

Zürcher Hochschule der Künste


I Neue Räume und neue Zeiten

“Der Samstagsbummel der Zukunft beginnt auf dem Handy. Während wir durch die Fussgängerzone schlendern, tippen wir in unser Mobiltelefon, welches Produkt wir suchen. Eine Jeans zum Beispiel, aber bitte in der richtigen Grösse. Kurz darauf erscheint auf dem Display eine Karte, auf der verschiedene Geschäfte der Umgebung uns ihre Auswahl an passenden Hosen präsentieren, inklusive eines Rabattcodes. Als wir nach dem Einkauf hungrig sind, sehen wir uns erst einmal auf dem Handy an, was unsere Lieblingsrestaurants in der Umgebung auf der Tageskarte haben und wann der nächste Tisch frei wird. Weil unser Smartphone zeigt, dass ein guter Bekannter ebenfalls in der Gegend unterwegs ist, verabreden wir uns später und reservieren per Tastendruck. Die Zeit bis zu unserem Treffen überbrücken wir mit einem Museumsbesuch, nachdem unser Handy angezeigt hat, wie gross der Andrang in den umliegenden Ausstellungen ist.” Johannes Kuhn: “Sie wissen, wo wir sind - Das Geoweb ist eine Revolution des Alltags. Doch wenn uns das Internet überall hin folgen soll, können wir dem Netz auch nichts mehr verschweigen.” Süddeutsche Zeitung Nr. 126 (5./6. Juni 2010).

II Raum, Zeit, Medien

“The Medium is the Message”  Herbert Marshall McLuhan: Understanding Media. Cambridge: MIT Press, 1994 [1964], p. 7 [Part I, chap. 1 ]

4 Mediengesetze

a.) Jedes bedeutendere Artefakt verstärkt bestimmte Prozesse.

b.) Jedes bedeutendere Artefakt lässt  andere Prozesse veralten.

c.) Jedes bedeutendere Artefakt belebt einen Prozess der schon einmal veraltet war.

d.) Neue und grundsätzliche Formen tauchen immer dann auf, wenn frühere Formen gerade den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichen.

Philip Marchand: “Biografie IV - Gesetze der Medien”. In: Baltes und Höltschl: S. 205.

III Diskurs und Dialog

“Definiert man den Dialog als jenen Prozess, bei dem auf verschiedene Gedächtnisse aufgeteilte Informationen zu einer neuen Informationen synthetisiert werden, und stellt man dann die Frage, welche Medien diesem Kommunikationsprozess dienen, so wird man feststellen, dass diese Frage auf zwei Arten formuliert werden kann: (a) Welche Medien können dem Dialog dienen, und (b) Welche dienen im tatsächlich? Auf (a) erhält man die etwas überraschende Antwort, dass die meisten technoimaginären Medien ursprünglich als dialogische Medien gedacht waren - Radio und TV sind dafür Beispiele. Der diskursive Gebrauch des Radios war seinen Erfindern völlig unvorstellbar, denn sie glaubten, drahtlose Telefone erfunden zu haben, und die Erfinder des Fernsehens glaubten, grenzenlose audiovisuelle Dialoge ermöglicht zu haben. Die gegenwärte diskursive Funktion der technischen Medien, ihre Verwandlung in Massenmedien, ist alos nicht eine Folge ihrer Bauart, sondern eine Entscheidung ihrer Besitzer.” Vilém Flusser “Dialogische Medien”: S. 135.

“Das neue Menschenbild als Verknotung von Beziehungen passt uns nicht in den Kram und daher auch nicht das auf dieser Anthropologie beruhende Stadtbild. Und doch muss dieses Menschenbild hingenommen werden. Es sieht ungefähr so aus: Wir haben uns eine Netz von zwischenmenschlichen Beziehungen vorzustellen, ein ‘intersubjektives Relationsfeld’. Die Fäden dieses Netzes sind als Kanäle zu sehen, durch welche Informationen, Gefühle, Absichten oder Erkenntnisse fliessen. Diese Fäden verknoten sich provisorisch und bilden das, was wir ‘menschliche Subjekte’ nennen. Die Gesamtheit der Fäden macht die konkrete Lebenswelt aus, und die Knoten darin sind abstrakte Extrapolationen. Das erkennt man, wenn man sie entknotet. Sie sind kernlos wie Zwiebeln. Anders gesagt: Das ‘Selbst’ (’Ich’) ist ein abstrakter, gedachter Punkt, um welchen sich konkrete Beziehungen füllen. ‘Ich’ ist das, wozu ‘du’ gesagt wird.” Vilém Flusser: “Die Stadt als Wellental in der Bilderflut”, S. 184:

Literatur

Baltes, Martin und Höltschl, Rainer (Hg.): Absolute McLuhan. Freiburg: orange press, 2002

Barck, Karlheinz (Hg.): Harold A. Innis - Kreuzwege der Kommunikation - Ausgewählte Texte. Wien: Springer, 1997

Dertouzos, Michael: What Will Be - Die Zukunft des Informationszeitalter [ New York 1997]. Wien: Springer, 1999

Flusser, Vilém Heimat und Heimatlosigkeit [Audio CD]. Köln: supposé, 1999

Flusser:, Vilém: Kommunikologie weiter denken - Die „Bochumer Vorlesung”. Frankfurt/M.: Fischer, 2009

Flusser, Vilém: “Diskursive Medien” [Deutsch zuerst in: Kommunikologie. Mannheim: Bollmann, 1995]. In: Röller (Hg.)

Flusser:, Vilém: “Dialogische Medien” [Deutsch zuerst in: Kommunikologie. Mannheim: Bollmann, 1995]. In: Röller (Hg.)

Hiebel, Hans H.  u.a. : Die Medien. München: UTB, 1998

Kloock, Doniela  und Spahr, Angela: Medientheorien. Eine Einführung. München: UTB, 2000

Kerckhove, Derrick de: “McLuhan and the “Toronto School of Communication”. In: Canadian Journal of Communication (1989): 73-79.Online: http://www.utoronto.ca/mcluhan/article_torontoschoolofcomm.htm

Kuhn, Johannes: “Sie wissen, wo wir sind - Das Geoweb ist eine Revolution des Alltags. Doch wenn uns das Internet überall hin folgen soll, können wir dem Netz auch nichts mehr verschweigen”. Süddeutsche Zeitung Nr. 126 (5./6. Juni 2010).

Marchand, Philip: Marshall McLuhan - Botschafter der Medien. Stuttgart: DVA, 1999

McLuhan, Herbert Marshall: Die magischen Kanäle [Understanding Media 1964]. Düsseldorf 1992: Econ

McLuhan, Herbert Marshall: Understanding Media [1964]. Cambridge: MIT Press, 1994

McLuhan, Herbert Marshall: “On Speaking freely with Edwin Newman”, 4. 1. 1971.

Paul, Joachim: Regeln, die öffentliche Sache, Verantwortung und das Internet. Online: http://www.vordenker.de/internet/internet.htm

Rheinberger, Hans-Jörg: Experimentalsysteme und epistemische Dinge - Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas. Göttingen 2001: Wallstein Verlag.

Rheinberger, Hans-Jörg: “Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen”. Vortrag anlässlich der Verleihung des Cogito-Preises. Zürich, 25.10. 2006.

Röller, Nils: Magnetismus - Eine Geschichte der Orientierung. München: Fink, 2010

Röller, Nils und Wagnermaier, Silvia (Hg.): Absolute Flusser. Freiburg: orange press, 2003/2010

Vilém Flusser Theory Award

May 10th, 2010

Einsendeschluss: 31. Juli 2010
Festival Datum: 01. - 06. February 2011

Der Vilém Flusser Theory Award (VFTA) fördert innovative medientheoretische und praxisbasierte Forschungsprojekte, die aktuelle Positionen digitaler Kunst und Kultur vorstellen. In der Tradition des kulturellen Nomaden Vilém Flusser verstehen wir dies als ein Denken, Handeln und Begreifen vom Unbekannten her, als Aufforderung, „Hals über Kopf in den Abgrund des Unbekannten zu springen“, um die sich schnell ändernden technischen und gesellschaftlichen Bedingungen der digitalen Kunst und Kultur zu begreifen. Die wissenschaftliche wie künstlerische Auseinandersetzung mit neuen Technologien und Medienformen folgt daher dem Bemühen, das diskursive Vokabular im Sinne eines dialogischen und offenen Denkens zu erweitern und neue Formen der Visualisierung, der Analyse und der Interpretation zu ermöglichen. Gesucht werden Projekte, Positionen und Texte die jenseits festgefügter Methoden einen transdisziplinären Kontext zwischen kunstbasierter Forschung und medientheoretischem Diskurs schaffen. Der Vilém Flusser Theory Award
wird seit 2008 gemeinsam mit dem Vilém_Flusser_Archiv der Universität der Künste in Berlin (UDK) vergeben.

Einreichungsbestimmungen

blog zu video/tanz/raum von Désirée Gnaba

April 14th, 2010

video-12

www.yodaisy.ch

Angelus novus, der Engel der Geschichte - oder der Moment in seiner Unfassbarkeit festgehalten

April 9th, 2010

The dream before (for Walter Benjamin) von Laurie Anderson

Hansel and Gretel are alive and well

And they’re living in Berlin

She is a cocktail waitress

He had a part in a Fassbinder film

And they sit around at night now

Drinking Schnapps and Gin

And she says: Hansel, you’re really bringing me down

And he says: Gretel, you can really be a bitch

He says: I’ve wasted my life on our stupid legend

When my one and only love Was the wicked witch.

She said: What is history?

And he said: History is an angel

Being blown backwards into the future

He said: History is a pile of debris

And the angel wants to go back and fix things

To repair the things that have been brocken

But there is a storm blowing from paradise

And the storm keeps blowing the angel

Backwards into the future.

And this storm, this storm Is called

Progress

Laurie Anderson hat The dream before, mit dem ich als Einleitung begonnnen habe, Walter Benjamin gewidmet. Sie nimmt in diesem Lied Bezug auf die Aussage von Benjamin, die er über den Engel der Geschichte von Paul Klee geschrieben hat.

“Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradies her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, dass der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm.“

Der Engel der Geschichte von Paul Klee ist 1920 unter dem Titel Angelus novus entstanden. Durch Walter Benjamin, der der Besitzer dieses Bilder war, erhielt der Engel den Namen Engel der Geschichte und wurde in seiner Theorie Über den Begriff der Geschichte zum Symbol für das Erschrecken darüber, das man unfähig ist, das Vergangene zu retten, aber einen auch die Zukunft verwehrt bleibt, ohne die Kenntnis der Vergangenheit. In seiner Theorie der materialistischen Geschichtsschreibung setzt Benjamin die bürgerliche Geschichtsauffassung, die die tote Vergangenheit betrachtet, der sozialdemokratischen Geschichtsauffassung, die in die Zukunft denkt, in konträren Gegensatz zu einander. Jedoch beide Ansichten sind nach Walter Benjamin, deutscher Philosoph, Gesellschaftstheoretiker, Literaturkritiker und unter anderem Übersetzer Balzacs, falsch.

Paul Klee hat viele Engel gezeichnet. Besonders in den letzten Jahren vor seinem Tod 1940, im Jahr, in dem auch Benjamin verstarb, zeichnete er viele. Der Engel der Geschichte, Ölpause und Aquarell auf Papier, wird als ein durchscheinendes Wesen mit geöffnetem Mund und bohrenden, fordernden Augen beschrieben. Seine Flügel sind weit ausgebreitet und der Blick leicht nach rechts unten gerichtet, als wollte er hinter sich schauen. Seine Füsse sehen ein bisschen aus wie Vogelfüsse, und er hat ein katzenhaftes Gesicht. Viele Details erinnern an verschiede Tiere, als hätte Klee versucht jedes Lebewesen in einem Engel festzuhalten. Man sieht auf dem Bild nichts weiter als den Engel, der flüchtig, fast zkizzenhaft und trotzdem präzise gezeichnet ist. Das gibt ihm das Unnahbare, das Durchscheinende, eben das Engelhafte.

Mit wenigen Strichen, einigen Linien zeichnet Klee seinen Engel. Er wirkt sehr leicht, fast menschlich, trotz seiner tierischen Details, etwas unfertig, eben skizzenhaft, kindlich, als müsste er noch „fertig“ werden, älter, erwachsen werden. Die Linien wirken so, als möchten sie den Moment, das Jetzt in seiner Unfassbarkeit festhalten, und gleichzeitig thematisiert Klee mit seinem Angelus novus auch die Vergangenheit und die Zukunft, die Zeit in einem Bild.

Der Betrachter befindet sich vor dem Bild in der Vergangenheit, schaut auf den Engel, hinter dem sich die Zukunft befindet und rückwärts in die Zukunft getrieben wird. Der Betrachter würde somit mehr sehen können, als der Engel selbst. Aber in dieser Skizzenhaftigkeit bleibt der Hintergrund, also die Zukunft auch uns Betrachtern in seiner Leere verborgen.

Da es mir fast unmöglich scheint, über ein Bild zu sprechen, das ich noch nie im Original gesehen habe, möchte ich nicht nur auf diesen einen Engel von Klee eingehen, sondern mehr die Art betrachten, wie Klee die Engel gezeichnet hat. Der Engel der Geschichte ist heute im Besitz des Israel Museums in Jerusalem. Er war einmal für fünf Tage in Bern, im Zentrum Paul Klee zu sehen. Das Museum war während diesem Zeitraum Tag und Nacht geöffnet, was viel über die Bedeutung dieses Bildes auszusagen vermag.

Allgemein sehe ich in den Engel-Zeichnungen, in den skizzenhaften und trotzdem präzisen Strichen Klees die Zeit. Es scheint, als würden die Engel die Zeit durchschreiten, als wären sie mitten in einer Wandlung, in einer Verwandlung.

Sie wirken flüchtig, als wären sie vergänglich, weil sie nicht ausgearbeitet sind. Sie entstehen im Moment, der immer gleich wieder zur Vergangenheit wird und durch das Skizzenhafte auf etwas Kommendes verweisen, auf das eigentliche Werk, also das Zukünftige. Das eigentliche Werk bleibt aber auf immer verborgen oder dem Betrachter vorenthalten, weil nur der skizzenhafte Engel bleibt. Der Betrachter wird also aufgefordert, selber zu denken, wie es weitergeht, die Zukunft, das Werk selber zu vollenden.

Oft blicken die Engel Klees nach hinten oder nach unten. Der Schellen-Engel zum Beispiel scheint nach vorne, in die Zukunft schreiten zu wollen, schaut aber nach hinten, in die Vergangenheit, zu der Schelle an seinem Kleid. Er scheint zwar glücklich zu sein, aber noch nicht ganz loslassen zu wollen. Es ist eine Momentaufnahme des Voranschreitens der Zeit. Man kann das Jetzt nur wahrnehmen, indem man sich des Vergangenen und des Kommenden bewusst ist.

Die Engelzeichnungen werden oft wegen Klees Krankheit Sklerodormie als tragische Zeugnisse gelesen. Ich sehe in diesen Zeichnungen aber auch etwas Lustiges. Eine geglückte Form, schon fast eine humorvolle Art mit der Krankheit, mit dem Tod und somit mit der Zeit umzugehen.

Wenn man zum Schluss nun noch einmal das Lied von Laurie Anderson hört, spürt man in ihrer Melodie die gleiche Skizzenhaftigkeit, dieselbe Flüchtigkeit und Leichtigkeit, die im Engel der Geschichte vorhanden ist. Man nimmt die Pausen zwischen den verspielt gesungenen Sätzen wahr, als wären es die zaghaft präzisen Linien, mit denen Klee den Angelus novus erschaffen hat.

Angelus Novus, Paul Klee

Schellen-Engel, Paul Klee

Der Autor als Netzwerker: Fotografie

April 5th, 2010

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Edgar Allan Poe (1809-1849), Daguerrotypie von  Marcus Aurelius Root, 1848. Quelle  (Getty Images): Klick hier.

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David Fagan

April 4th, 2010

Time is not a static object, nor is it viewable or recordable in its entirety. We cannot trust recorded media as truth, because truth would encompass all things at once, the universe in its entirety, recorded and understood from many opposing standpoints.

What is recorded of time is complicated by the fact that the one who records mediates the subject, and the one who replays mediates what is replayed.

What we do have; is individual experience of time, where memories slip and resurface in the present. Our ideas are generated internally. When one tries to explain ideas in the world outside of ones self they, by default, fail to communicate verbatim, given that language is itself a translation of thought to words. Yet ideas can find salvation, in new interpretation of those who view that which we can create.

The manifestation of a utopia in the built environment then, it would seem, is impossible. For we would each experience a utopian built environment differently.

“Impermanence is in some mysterious way of course the key to the actualization of any utopia.” (Mark von Schlegell, 2006)

The individual can experience a temporal moment that feels utopian. This is a lived moment where inner thoughts and outer environment meet seamlessly.

Utopia is not a fixed ideal; perhaps we have experienced what it is to live in a utopian environment for just a fleeting moment of our lives. The mind, it would seem is in a continual state of flux, tentative moments of stability form time to time, and perhaps in one of these moments, one views the world around us as utopian.

“Life rustled through the centuries like one spring-time, an ever-variegated festival of heaven-children and earth-dwellers.” (Novolis, 1897)

I like this description of life as a singular continuum regardless of which humans possess it. Although, if our individual knowledge of life is our consciousness of time; this communality of life would seem to run contrary to my previous assumptions of the individuals experience of memory.

Tino Sehgal’s work ‘This Progress’ at the Gugenheim, involves the viewer being asked by a child museum guide, “What is progress?” Thus forcing a verbal answer to what is an emotional idea. The young museum guide relays, to the next, slightly older guide, the viewer’s opinion of progress and in doing so, reveals the fallibility of language and time constraints in expressing ones thoughts.

The viewer; having given an off the cuff answer to a question which requires more time to answer than is allocated; is tied to this answer, which may not represent their opinion.

The more one chases a definition to of time, memory or truth, the more those terms reveal their definitions to be stunningly elusive.

Tino Seghal This Progress This Progress, Tino Seghal, 2010

References:

Books

Novolis, 1897, Hymns to the Night in Rampolli: Growths from a Long-Planted Root: Being Translations, London Longman’s

Online Articles

Schlegell, Mark von, (2006) Classe Permanente: Corporating the principle of division [Catalogue of an exhibition held at Galeria Graça Brandão Lisboa, 14 January - 28 February 2006]

Available online at: http://www.galeriagracabrandao.com/index.php?menu=exp&exposicao_id=49&texto_id=10&lang=en

[Accessed April 4th, 2010]

mirrors - bianca hildenbrand

March 31st, 2010

a)

[...] Es mit dem Wissen wie mit dem Sehn - je mehr man sieht, desto besser und angenehmer ist es - Ist man übler dran, weil man sieht? Unwissenheit und Blindheit sind analog.

(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S.178)

b)
Novalis stellt in diesem Zitat die Frage, ob man übler dran ist, weil man sieht? Unwissenheit und Blindheit stellt er gleich, was gleichzeitig bedeutet Wissen und Sehn sind analog.

Der Spiegel. Ein Medium, um in einem Raum einen weiteren Raum sehen zu lassen. Es sind zwei Orte, die einen Bezug zueinander haben und das Spiegelbild als Abbild von der Wirklichkeit gelesen wird. Symbolisch wird der Spiegel als Wahrheit gelesen. Hier wird also Wissen(schaft) verbunden mit Sehn, was Novalis Aussage entspricht.

Die Wahrnehmung der Bilder vor und im Spiegel können weit auseinander laufen. So sehe ich auch das Phänomen “Wirklichkeit” als eine subjektive Empfindung. Die Wahrnehmung dessen muss aber nicht der Wahrheit entsprechen. Also auch keine Realität sein. Wobei wir uns hier wieder der Philosophie von Schlegell nähern.

Die Arbeit “Smashed mirrors”  von Michelangelo Pistoletti, bewegt sich zwischen diesen zwei Ansichten. Etwa 20 zerschlagene Spiegel sind nebeneinander in einem Raum an die Wand gehängt. Sie entstand durch einen performativen Akt, den der Künstler vor Publikum durchführte. Der Akt des Schlages mittels eines grossen Hammers, sehe ich als freie und eigene bevorzugte Interpretation nach Novalis (die Zerstörung der Wahrheit und Bewahrung des Scheins ) oder nach von Schlegell (die Zerstörung des Scheins und Bewahrung der Wahrheit).

Die Smashed mirrors sind nach Novalis die Blindheit / Unwissenheit, nach von Schlegell spräche man von Wahrheit.

c)

“Smashed mirrors”, Michelangelo Pistoletti

(Ausstellung an der Biennale Venedig, 2009)

smashed mirrors

d)

Ein Textobjekt, gleichzeitig aus der Realität entrückt, als auch dran beteiligt, die Wahrheit-als-Effekt im Abstrakten unterzubringen; das nur innerhalb seiner eigenen Relevanz existiert; das gleich einem in das Gefüge der Welt geschnittenen Lochs keine nichtliterarische Relevanz in Bezug zu Aussenwelt hat.

(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.19)

Akane Tamotsu: Novalis’s note searched from the Internet

March 28th, 2010

(de)
Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren - das Hoerbare am Unhoerbaren - das Fuehlbare am Unfuehlbaren. Viclleicht das Denkbare am Undenkbaren - .

(en)
Everything that is visible clings to the invisible, The audible to the inaudible, The tangible to the intangible, Maybe also the imaginable to the unimaginable.

***
Indeed if we change the view point for something, we can see/find another aspects of it. However sometimes it is not easy, sometimes we cannot, or sometimes even if we can, it makes us more confuse (in this case we may be in the “border”). the (able) visible/audible/tangible/imaginable and (unable) invisible/inaudible/intangible/unimaginable make spiral then if we find an “able”, next we find “unable”, “unable” become “able” then next we find another “unable”…

this is my way to understand Novalis’s word.

***

Mark von Schlegell:  “Realometer” - American Romance

“The realometer is like a machine. The realometer reflects the light of the living world of consciousness as it rolls written through recorded time, romancing an ever-changing real.”

(http://www.hkw.de/en/programm/2009/andere2009/veranstaltungen_31440/Veranstaltungsdetail_1_36155.php)

That is interesting simile to say American Romance as machine.
In my image, machine is hard, metalic, algorythmic, no warm of human, no spirit, no will, eternally work, only work, … few ‘good’. and also in my image Romance is more lively and human-nature.

then I give it a try to think of the word “system”. Does “system” have human-nature or not? we human have made up a lot of kind of systems, like communication, politics, education,…, and made use of, ran, managed them.

also Machines work along orders by program or stimulation - there are systems.

then there is a common point between human and machine… both exist on some systems and without them we lose order, cannot continue to exist in calm…

still I don’t think Machine is not human nature but “system” is like a bridge between machine and human.

then realometer also has a system which projects human’s lively feelings, and human are the creators of its program. when human’s feelings get together, the flow is made and the flow becomes a big program (similar as Complex Systems!). by the program, the system works, … then he said realometer is like as it rolls ‘written through recorded time’. …

…I’m sorry, I become confused. and my opinion may be out of theme… (I’m studying “Computer Science” at my home university!)

Tobias Wirz: Romantinimal Flow

March 28th, 2010

«Auf dieselbe Art, wie wir unser Denkorgan in beliebige Bewegung setzen — seine Bewegung beliebig modifizieren — dieselbe und ihre Produkte beobachten — und mannigfaltig ausdrücken — auf dieselbe Art, wie wir die Bewegungen des Denkorgans zur Sprache bringen — wie wir sie in Gebärden äußern — in Handlungen ausprägen, wie wir uns überhaupt willkürlich bewegen und aufhalten — unsre Bewegungen vereinigen und vereinzeln — auf eben dieselbe Art müssen wir auch die innern Organe unsers Körpers bewegen, hemmen, vereinigen und vereinzeln lernen. Unser ganzer Körper ist schlechterdings fähig, vom Geist in beliebige Bewegung gesetzt zu werden. Die Wirkungen der Fucht, des Schreckens — der Traurigkeit, des Zorns — des Neides — der Scham, der Freude, der Phantasie usw. sind Indikationen genug —. Überdem aber hat man genugsam Beispiele von Menschen — die eine willkürliche Herrschaft über einzelne, gewöhnlich der Willkür entzogene Teile ihres Körpers erlangt haben. Dann wird jeder sein eigner Arzt sein — und sich ein vollständiges, sichres und genaues Gefühl seines Körpers erwerben können – dann wird der Mensch erst wahrhaftig unabhängig von der Natur, vielleicht imstande sogar sein, verlorne Glieder zu restaurieren sich bloß durch seinen Willen zu töten, und dadurch erst wahre Aufschlüsse über Körper — Seele — Welt — Leben — Tod und Geisterwelt zu erlangen. Es wird vielleicht nur von ihm davon abhängen einen Stoff zu beseelen — Er wird seine Sinne zwingen ihm die Gestalt zu produzieren, die er verlangt — und im eigentlichsten Sinn in seiner Welt leben können. Dann wird er vermögend sein sich von seinem Körper zu trennen — wenn er es für gut findet — er wird sehn, hören — und fühlen was, wie und in welcher Verbindung er will.»

(Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 199)

Flow infinitely – Are we humans, or are we dancers?

Wer hat sich schon einmal in einem Club in die «nächste Sphäre» getanzt? Wenn ich Sphäre schreibe, dann meine ich ungefähr das hier. Ohne Drogen ist es: Kristallklar. Mit Drogen: Unscharf, aber wahrnehmbar. Ich kann mich an einen Moment erinnern, den ich als den mit Abstand grössten Summanden aus einer Addition von Erfahrungen bezeichnen möchte. Es war in einem Club an der Birchstrasse in Zürich Oerlikon: Im «Birchermüesli». Während einer Zeit des Aufbruchs, der Abreise. Das Schiff stand bereit, die Kamine rauchten, an Deck wurden Cocktails gereicht und das Schiffshorn blies neue, filigrane Töne. Es war die Zeit des minimal. Eine Musik, zu der der Musikjournalist Philip Sherburne schrieb: «Minimal Techno corkscrews into the very heart of repetition». Für meine Erzählung wichtig ist auch das Statement von Robert Hood: «A basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines and funky grooves and only what’s essential. Only what is essential to make people move. I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. It’s a heart-felt rhythmic techno sound.»

Gut, lasst uns erste Tanzschritte wagen: Um dorthin zu gelangen, wo mein Text hinführt oder hinführen möchte, muss man verstehen, nein begreifen (also mit geistigen Fingern das Fluidum anfassen, es drehen und wenden, drücken und reiben, «haptisch» erfahren!) was Flow ist. Feststellung 1: Mit Flow ist keineswegs das deutsche Wort Fluss oder Strom gemeint, da diese Begriffe im deutschen sehr viel und sehr merkwürdig verwendet werden bzw. die eine oder andere Sache verkehren. Mir war beispielsweise nie klar, wie man von Warenflüssen und Geldströmen reden kann. Meiner Ansicht nach sind das lediglich mechanische Verschiebungen in fein verästelten Bronchialsystemen. Dieser Begriffsirrtum erschloss sich mir eines morgens, als ich mit meinem Velo an der Spitze  eines durch einen geschlossenen Bahnübergang unterbrochenen Verkehrsflusses stand und warten musste, bis der beeindruckend lange Güterzug durchgefahren war. Flow ist etwas ganz anderes. Feststellung 2 (und dann höre ich auf, Dinge fest zu stellen): Dass ich Flow mit der Form des Textes (der These, des Theorems) begreiflich machen möchte, ist kühne Einfalt!

Wenn man sich hier im VMK mit jemandem über die Freiheit unterhalten möchte, die in der Repetition zu finden ist, der soll Alexander Tuchacek darauf ansprechen. Er denkt sehr schnell und zuweilen ist es, als renne man in einem Maisfeld einem Hasen hinterher. Aber aus einer völlig anderen Ecke kommt von Alexander etwas absolut Kongruentes zu dem, was ich von der anderen Sphäre zu berichten habe. Am besten man hört sich mal dieses Musikstück an und kehrt dann wieder zum Text zurück.

Was passiert nun auf der Tanzfläche? Das muss ich vereinfachen: Das Monotone eröffnet eine Ebene universaler Freiheit (univers; «in eins gekehrt»). Alles ist möglich. Ein Zustand der Schwerelosigkeit. Schwer zu beschreiben. Kid David von der Legion of Extraordinary Dancers, von der wir gleich noch mehr hören, sagt über seinen Tanz folgendes:

«It’s kinda like, a lot of times, I don’t know whats going on when iam dancing cause on that point it’s just realy like it’s my body in the music, it’s not realy a concious decision «iam gonna do this, next iam gonna do this». It’s kind of like this other level where you can’t make choices anymore, it’s just your body reacting to certain sounds in the music.»

Es gibt diese junge Generation (obwohl – von einer Generation zu sprechen ist falsch), also diese Kids (und mit Alter hat das nichts zu tun) überall auf dem Planeten, die entdecken ebendiesen Flow, den es eigentlich schon immer gibt und der reine Bewusstheit ist. Für mich als professionellen Full-contact-street-cyclist gibt es zwei Seiten: Die eine hockt zwischen den Arschbacken schwitzend in einer Trivialisierungsmaschine und hupt und stösst und flucht. Die andere ist Empfindungskörper durch und durch und flowt durch die Häuserschluchten. Wer etwas von Flow wissen will, der fängt damit an, Freestyle zu betrachten.

TED-Talk über die Legion of Extraordinary Dancers

Was hat Flow nun mit Romantik zu tun? «Fenster als Schnittstellen». Vereinfachen wir das Ganze und nehmen unsere «Fenster zur Welt», die Augen. Weiten wir das Ganze aus und denken unseren Körper mit, unsere Sinne, unseren Geist, schlicht unsere Wahrnehmung in ihrer Ganzheit. Neue Menschen (an vorderster Front «die Freestyler») entdecken eine Welt vor der Konstruktion. Über ihr. Sie entdecken ihr Bewusstsein als Interface zu dieser Welt, werden selbst zu Kirchen. Sie sind in den Momenten, wo es «flowt» absolut präsent in der Gegenwart. Das Gedankenkonstrukt Zeit wird in ihren Händen zu einem formbaren Energieball. Sie versuchen weder den Beton zu bemoosen, noch ihn zu sprengen. Sie bauen damit Flugmaschinen!

Wann ist das letzte Mal etwas so kraftvolles aus dem «regulären» Kunstbetrieb herausgebrochen?

«Flow infinetly (…)» Jay Z – Hard Knock Life (Ghetto Anthem)

«Are we human, or are we dancers?» The Killers – Human

Und so fort - Andrin Winteler

March 28th, 2010

a) Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung und so fort.

(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956)

b) Dieser Satz von Novalis ist mir sofort ins Auge gestochen. Interessant finde ich diese monotone Wiederholung zu einem Thema das ganz und gar nicht monoton ist. Ich bin mir nun aber nicht sicher wie Novalis das ganz genau meint. Auf der einen Seite geht er auf das Gefühl und die Empfindung ein. Auf der anderen Seite ist Schluss und es kommt nur noch; und so fort. Sollte man das nun als Leser fertig denken? Hatte er keine Lust um weiter zu Philosophieren oder gar weiter zu schreiben?

Ich habe mir das überlegt und bin auf folgendes gelangt: Nach der Empfindung kommt das Gefühl und dann Körperliche Reaktion, Emotion. Davor oder Danach  die Nachempfindung?

Empfinden tut man ja Tagtäglich x tausend fach. Ein Beispiel: Ich Stehe morgens auf. Die akute Altlast ist der Traum, der in meinem Kopf herumschwirrt. Schon habe ich eine Empfindung. Dann schaue ich als erstes aus dem Fenster. Wie ist das Wetter? Mache mich Strassentauglich und gehe aus dem Haus Richtung Bahnhof. In diesem kurzen Zeitabschnitt hatte ich schon so viele Empfindungen und das waren vielleicht erst fünfzehn Minuten. Alle Empfindungen klumpen sich zu einem Gefühls- Wollknäuel, der immer grösser wird, bis er zu einem Höhepunkt kommt und Implodiert, oder auch Explodiert.

Oder habe ich vielleicht den Satz von Novalis falsch verstanden. Vielleicht kommt anstatt und so fort; ist schon Gefühl, also sich ein ewiges drehendes Karussell.

Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung ist schon Gefühl.

Dann sollte nach meiner Meinung die Empfindung vor dem Gefühl kommen. Oder Beeinflusst das Gefühl unsere Empfindungen?

c)

Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich, Klosterfriedhof im Schnee, 1817-19

Dieses Bild habe ich aus zwei Gründen ausgesucht. Erstens half es mir anhand diesem Bild die beiden Wörter Gefühl und Empfindung zu Analysieren. Zweitens nahm ich es zur Verbindung zwischen dem Satz von Novalis und dem Satz, den ich von Schlegel ausgesucht habe.

In der Szenerie mit der zerstörten Kirche, dem Schnee und den Menschen, die durch den, noch halb verschonten Kircheneingang gehen, schwarz angezogen sind und trauern finde ich viele Parallelen zu Schlegell’s Satz.

“In der Natur, in ihren Schweissnassen Armen” = Karge Landschaft mit Schnee

“Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzten” = Die trauernden Menschen

Heimatlosigkeit = zerstörte Kirche, Kälte


d) In der Natur, in ihren schweissnassen Armen, wird der Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzen. Seine Heimatlosigkeit wächst dabei exponentiell zum Ausmass. seiner Entdeckungen. Das Entdecken selbst ist ein Ausstossen der Vergangenheit. Der Ausgestossene ist von nun an für immer an eine zwingende, schicksalshafte Untersuchung gebunden, mit dem Ziel das Selbst zu entdefinieren.

(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.54)